Brancheninfo 25-11/2019

Brancheninfo 25-11/2019

150 150 Klaus Henning Glitza

Nordharz: Neuer Tarif / Weniger Müll- auch zu Silvester/ Engpass bei den Altholzverwertern

 

„Das war ein hartes Stück Arbeit“, kommentiert die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ihr Verhandlungsergebnis bei der Abfallwirtschaft Nordharz , einem PPP-Unternehmen mit REMONDIS-Beteiligung mit Sitz in Wernigerode.

Nach viertägigem Streik sind nach Angaben der Gewerkschaft  unter anderem deutliche Lohnerhöhung für die Fahrer, Sortierer und Beschäftigte auf dem Hof sowohl im Einstieg als auch für langjährig Beschäftigte  erreicht worden. „Alle anderen bekommen 80 Prozent der jeweiligen Stundenlohnerhöhung“, so ver.di.  Deutliche Erhöhungen seinen auch bei den Ausbildungsvergütungen erzielt worden.  Außerdem: „Keine Abschmelzung der persönlichen Zulagen (VG 4-7)“.

Vor der Einigung hatte die Gewerkschaft die Bereitschaft zu weiteren Arbeitskampfmaßnahmen bekräftigt. Mit dem Appell „Eure Geschäftsführung muss endlich begreifen, dass es euch um die Wertschätzung eurer Arbeit geht und um Löhne ,von denen man leben kann. (…) Die Feuertonne ist gefüllt und vorgeheizt!!!“ waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abfallwirtschaft Nordharz motiviert worden.

Die Laufzeit des Abschlusses beträgt 24 Monate. Wirksam wird der neue Tarif zum 1. Dezember dieses Jahres.  Ver.di war ursprünglich mit der Forderung nach 2,50 Euro mehr pro Stunde in die Verhandlungen gegangen, hatte aber Zugeständnisse machen müssen. Dem Vernehmen nach wurden für die mittleren Lohnstufen ein Mehr von 1,50 Euro  erzielt.

Der  Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Nordharz, Dirk Hirschfeld, hatte nach Angaben der „Volksstimme“ errechnet, dass  sich bei einem  Plus von  2,50 Euro bei  171 Monatsstunden und 130 tangierten Beschäftigten die reinen Lohn-Mehrkosten auf jährlich 667.000 Euro summieren würden. Hinzu kämen rund 30 Prozent höhere Sozialabgaben.

Geschäftsführer Hirschfeld war heute für Stellungnahmen nicht erreichbar.

khg

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Immer ein hochkarätiges Ereignis: der hannoversche Silvesterlauf. In diesem Jahr soll das Sportevent auch im Zeichen der Müllvermeidung stehen. Foto: Norbert Wilhelmi

Weniger Müll – nicht nur, aber auch und ganz besonders an Silvester! Dieses Motto hat die Stadtreinigung der Abfallwirtschaft Region Hannover (aha) ausgegeben. Zusammen mit dem Veranstalter eichels: Event will das Kommunalunternehmen beim Silvesterlauf am 31. Dezember 2019 neue Wege gehen und  zeigen, wie einfach es sein kann, die guten Vorsätze schon vor Mitternacht umzusetzen.

Statt Sekt aus der Wegwerf-Dose oder Getränken aus dem Pappbecher soll es für die kleinen und großen Teilnehmer des Laufes am Maschsee in diesem Jahr im Ziel heißen Glühwein, Tee oder alkoholfreien Punsch aus dem limitierten „Winter-Editionsbecher“ von Hannoccino geben. „Gern können die Teilnehmer auch ihren eigenen Hannoccino- oder einen anderen Mehrwegbecher mitbringen und sich im Zielbereich ihr wohlverdientes Heißgetränk abholen“, so Mathias Quast, Leiter der Stadtreinigung.

Außerdem starten Veranstalter eichels: Event und aha am 1. Januar gleich mit dem Aufräumen nach Silvester: Bei einer gemeinsamen Neujahrs-Plogging-Runde am Mittag wird das Thema Sauberkeit in Hannover gleich am ersten Tag des neuen Jahres vor Ort tatkräftig angepackt. Treffpunkt ist um 12 Uhr am Maschsee-Nordufer – perfekt kompatibel mit dem allseits beliebten Vorsatz, mehr Sport zu treiben.

Auf ein Feuerwerk zum Start des Silvesterlaufes wird Veranstalter eichels: Event im Sinne der Nachhaltigkeit  in diesem Jahr ganz bewusst verzichten:  Statt Pyrotechnik werde es eine Spende für den Kältebus der Johanniter Unfallhilfe geben, só Geschäftsführerin Stefanie Eichel. Seit vielen Jahren unterstützt der Silvesterlauf den Kältebus, mit dem ehrenamtliche Helfer in der kalten Jahreszeit obdachlose Menschen vor dem Kältetod bewahren, Suppe, Getränke, Schlafsäcke und Winterbekleidung verteilen. Auch in diesem Jahr sind alle Teilnehmer wieder aufgerufen, direkt bei der Anmeldung zum Lauf einen Betrag ihrer Wahl zu spenden. Im vergangenen Jahr kamen dabei rund 5000 Euro zusammen.

Infos, Startzeiten und Anmeldung zum Silvesterlauf unter www.silvesterlauf-hannover.de.

HH/rd

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Nach Angaben des bvse-Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung zeichne sich auf dem Altholzmarkt nach wie vor eine Schieflage ab.

Engpässe in den energetischen Verwertungswegen und Übermengen aus der ersten Jahreshälfte wirkten nach. „Der seit Jahren etablierte Altholzmarkt kommt nicht zur Ruhe, auch wenn sich regional durch vermehrte Exporte Verbesserungen abzeichnen“, teilt der Verband mit.

Diese Situation war zentrales Thema der bereits im September durchgeführten Mitgliederversammlung des bvse-Fachverbandes Ersatzbrennstoffe, Altholz und Biogene Abfälle. Neben den  Marktbewegungen auf dem Altholzmarkt standen Informationen zum Fortschreiten der Novelle der Altholzverordnung (AltholzV) im Mittelpunkt.

Laut bvse habe ein hohes Altholzaufkommen bei gleichzeitig anhaltendem Mangel an Verbrennungskapazitäten die Altholzverwerter in diesem Jahr bis an die äußersten Lagerfassungsvermögen gebracht. Teilweise haben in den Betrieben der Altholzverwerter sogar Annahmestopps verhängt werden müssen-  In einer Mitgliederumfrage aus dem Sommer gaben die bvse-Mitgliedsunternehmen an, dass die Erfassungsmengen in 2018 gegenüber dem Vorjahr (2017) zwar leicht gesunken, aber nach wie vor sehr hoch seien.

Dem bvse zufolge seien Grund dafür unter anderem naturbedingte Phänomene, wie zum Beispiel. die Borkenkäferplage, die nach Angaben des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums im Jahr 2018 zu einer Fällung von mehr als viermal so viel Fichtenholz wie im Jahr 2017 geführt hat. Bis September 2019 habe sich dieser Faktor noch einmal um 2,5 erhöht. Ein weiterer Aspekt sei das niedrige Zinsniveau, das einen anhaltenden Bauboom mit entsprechendem Konsumverhalten ausgelöst hat. Aber auch eine intensivere Getrennthaltung trage zu den hohen Erfassungsmengen bei.

Sorgenvoll blickten die Altholzverwerter nach wie vor auf den Flaschenhals in den Verwertungswegen, so der Branchenverband weiter. Während sich die stoffliche Verwertung auch aufgrund von gesunkener Nachfrage konstant bis verhalten zeige, verschärfe sich der energetische Verwertungsengpass weiter. Teilweise würden große Transportwege zu Feuerungsanlagen in andere Bundesländer oder ins Ausland in Kauf genommen, mit entsprechend hoher Kostenbelastung. Lösungen erhofft sich der Fachverbandsvorsitzende Wolfgang Fritsch in einer Anpassung des Rechtsrahmens: „Zurzeit lässt der bvse rechtlich prüfen, ob es Möglichkeiten zur Anpassung im Genehmigungsrecht geben könnte, die die Erweiterungen von Lagerkapazitäten bei ebendiesen Engpässen erlauben“, so Fritsch.

Eine kurzfristige Änderung der Marktlage zeichne sich im Hinblick auf die knappen Verwertungswege in absehbarer Zeit nicht ab. „Selbst im Falle des Inkrafttretens einer neuen Altholzverordnung nicht, mit deren Verkündung wir wohl erst im Frühjahr 2021 rechnen können“, prophezeite der Fachverbandsvorsitzende und warnte vor der Forderung eines dogmatischen Vorrangprinzips für eine stoffliche Altholzverwertung bei der geplanten Novellierung der Altholzverordnung „Die Beschaffenheit von Althölzern grenzen sowohl die Kapazitäten als auch die stoffliche Verwertung dieses Stoffstroms ein. Der Markt hat sich in den letzten Jahren auf den in der AltholzV verankerten Grundsatz des Gleichrangs der Hochwertigkeit von stofflicher und energetischer Verwertung und deren sinnvollen Ergänzung eingestellt“, betonte Wolfgang Fritsch. Von den jährlich zirka acht Millionen Tonnen anfallenden Altholz werden derzeit 25 Prozent stofflich genutzt und 75 Prozent energetisch verwertet.

Probleme bereitender Branche auch die in diesem Jahr herrschende erhöhte Brandlast in den Unternehmen. Die hohen Temperaturen hatten auch in diesen Sommermonaten für sehr trockenes Material mit erheblicher Staubproblematik gesorgt. „Diese wirkten sich im Hinblick auf erhöhtes Brand- und Explosionsrisiko sowohl auf das Handling als auch in der Aufbereitung aus. In Zukunft werden die Altholzaufbereiter wohl mit weiteren Investitionen für Schutzmaßnahmen rechnen müssen“, erklärte der bvse-Fachverbandsvorsitzende Wolfgang Fritsch.

In diesem Zusammenhang machte Wolfgang Fritsch auch auf die Notwendigkeit aufmerksam, die Bewertung des Brandrisikos in Abfalllagern neu zu überdenken. Die Kunststofflagerrichtlinie, die oft zur Beurteilung in Schadensfällen herangezogen würde, könne nicht Grundlage für die Bewertung von möglichen Bränden im Altholzlagerbereich sein, denn Altholz zeige ein völlig anderes Brandverhalten als Kunststoff.

Der bvse-Fachverbandsvorsitzende warnte deshalb eindringlich davor, die Altholzplätze zum Kollateralschaden möglicher Verschärfungen vor dem Hintergrund zahlreicher Brände in den LVP- und AzV-Behandlungsanlagen werden zu lassen, da deren Ursache häufig Lithium-Batterien sind, die auf den Altholzplätzen keine Rolle spielen.

JL/rd

 

 

 

 

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