Brancheninfo 12-11/2018

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Brancheninfo 12-11/2018 150 150 Klaus Henning Glitza

Forschungsprojekt in Hamburg: Elektroaltgeräte mehr und besser recyceln /K + D erweitert Standort /AWM-Tourenumstellung

 

Der Status quo ist aus ökologischer Sicht wenig erbaulich: Jedes Jahr werden in Deutschland zirka ca. 1,7 Mio. Tonnen an Elektrogeräten verkauft, jedoch nur ca. 0,7 Mio. Tonnen werden als Altgeräte wieder zurückgenommen und nur ca. 0,6 Mio. Tonnen der Altgeräte gehen in ein geordnetes Recycling. Diese alles andere als zufriedenstellende Bilanz will die Stadtreinigung Hamburg (SRH) jetzt verbessern.

Künftig soll verhindert werden, dass pro Einwohner etwa zwei Kilogramm Elektroaltgeräte im Restmüll landen und so zur thermischen Verwertung in die Müllverbrennungsanlagen gehen. Um dieses Ziel zu erreichen, wird die SRH Im Rahmen eines EU-weiten Forschungsprojektes wird die SRH die Perspektiven eines Ausbaus der Sammlung von Elektro(alt)geräten sowie Steigerung der Weiterverwendungsrate und Optimierung des stofflichen Recyclings untersuchen. Dies teilte jetzt SRH-Pressesprecher Reinhard Fiedler mit. Das EU-Projekt läuft bis zum 30 August 2020 und hat ein Volumen von über elf Millionen Euro.

Konkret sind folgende Schritte vorgesehen: Unter Leitung der Stadtreinigung Hamburg arbeiten die Hamburger Partner HafenCity-Universität, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Aurubis-AG, Consist ITU Environmental Software GmbH und Senatskanzlei Hamburg daran,

  • die Kreislaufwirtschaft zu fördern,
  • Elektrogeräte länger zu nutzen,
  • Elektroaltgeräte wesentlich umfassender zu erfassen und dann höherwertiger zu verwerten,
  • Nichteisen-Metalle beispielsweise Kupfer, Zink, Blei, Aluminium, Silber, Gold, Palladium) weitestgehend zurück zu gewinnen und für strategische Metalle (unter anderem Lithium, Kobalt, Indium, Neodym) Möglichkeiten einer wirtschaftlichen Rückgewinnung aufzuzeigen.

Im Rahmen des Forschungsprojektes sind folgende Teilprojekte in Hamburg geplant oder bereits realisiert:

  1. Erstellung eines Portals, über welches für zahlreiche Elektrogeräte erkannt werden kann, ob dieser Gerätetyp als Gebrauchtgerät gehandelt wird und welche Preise dabei erzielt werden. Ferner werden Informationen zur Möglichkeit der Reparatur in Repair-Cafes oder Elektrowerkstätten mit konkreten Adressen und Terminen gegeben. Ebenso werden Abgabestellen für intakte Geräte für den Weiterverkauf oder die Entsorgung von defekten Geräten genannt (geplant).
  2. Eröffnung eines Second-Hand-Marktes des SRH-Gebrauchtwarenkaufhauses Stilbruch mit dem Schwerpunkt auf Elektrogeräte im November 2017 in den Harburg-Arcaden (realisiert).
  3. Kooperation mit Repair-Cafes in Hamburg (geplant).
  4. Versuch zur manuelle Zerlegung von zirka 5.000 Elektrokleingeräten, um deren Gehalte an wertgebenden Inhaltsstoffen in Abhängigkeit von der Geräteart zu ermitteln (läuft zurzeit) In den Städten Kopenhagen, Genua und Lissabon laufen ebenfalls kleinere Projekte zum gleichen Thema, wobei alle vier Städte dazu in engen Kontakt stehen und voneinander lernen sollen.

Grundlage der SRH-Bemühungen ist die Richtlinie 2012/19/EU – WEEE2 des europäischen Parlaments und des Rates über Elektro- und Elektronik-Altgeräte. Diese schreibt vor, dass die Sammelquote für Elektroaltgeräte ab 2019 auf mindestens 65 Prozent des Durchschnittsgewichts der Elektro- und Elektronikgeräte, die in den drei Vorjahren im betreffenden Mitgliedstaat in Verkehr gebracht wurden zu steigern ist. Aktuell – und dies bereits seit Jahren – liegt dieser Wert bei etwa.45 Prozent. Das Erreichen der geforderten Mindestsammelquote ab 2019 ist daher ein äußerst ambitioniertes Ziel, welches in Europa zurzeit allenfalls von den Schweden erreicht wird. In allen anderen Ländern besteht hier dringender Handlungsbedarf. Die EU fördert daher im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogrammes HORIZON 2020 (No. 689157) das Projekt FORCE um Wege zu erarbeiten, die Sammelquoten deutlich zu steigern und die stoffliche Nutzung zu optimieren. So sollen intakte Geräte länger genutzt und ggf. weiterverkauft werden, Geräte mit kleinen Fehlern repariert und defekte Geräte hochwertig verwertet werden.

rf/red

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Das Wiesbadener Entsorgungsunternehmen KNETTENBRECH + GURDULIC plant an seinem Standort in Rödelsee, Landkreis Kitzingen, umfangreiche Erweiterungen. Nach Mitteilung von Pressesprecherin Kathrin Handschuh werde in den kommenden Jahren das 20.000 Quadratmeter große Betriebsgelände um ein Grundstück in unmittelbarer Nachbarschaft (24.000 Quadratmeter) erweitert. Dort seien neben einem Verwaltungsgebäude und einer Werkstatt auch Flächen zur Behandlung von Abfällen vorgesehen. Der Standort soll damit zur Zentrale in Nordbayern werden. Der Gemeinderat habe der Flächennutzung bereits zugestimmt.

Dank der baulichen Veränderungen könne die Abfall-Gesamtdurchsatzmenge auf mehr als 100.000 Tonnen gesteigert werden, teilt KNETTENBRECH + GURDULIC weiter mit.  Derzeit seien es bei nicht-gefährlichen Abfällen 80.000 Tonnen, bei gefährlichen etwa 10.000. „Durch die Erweiterung können wir in der Region ein breites Spektrum unserer Dienstleistungen im Bereich Entsorgung anbieten“, so Pasqual Wack, Geschäftsführer der Regionalgesellschaft K+G Franken GmbH & Co. KG. Neben einer Annahmestelle für Altmetall werde es eine Ballenpresse für Papier und Kunststoff sowie eine Schredderanlage für Holz geben. Wack beschäftigt am Standort aktuell rund 80 Mitarbeiter.

kh/rd

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Der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWB) hat die Touren der Müllabfuhr neu geplant. Dadurch ändern sich nach Angaben der Süddeutschen Zeitung von Montag, 19. November, an für viele Tonnenstandplätze im Münchner Norden die Leerungstage der Restmüll-, Papier- und der Biotonne. Die Änderungen gelten insgesamt 280.000 Bürger in den Bereichen Feldmoching, Hasenbergl, Lerchenau, Siedlung am Hart, Riesenfeld inklusive dem Olympischen Dorf, Milbertshofen, Alte Heide und Hirschau, Ebenau, Oberwiesenfeld und alle Bereiche Schwabings. Die Neueinteilung betreffen insgesamt 280 000 Bürger beziehungsweise 150 000 Haushalte.

Laut Süddeutsche Zeitung rechnet der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWM) damit, dass in den ersten Wochen Änderungen und Nachjustierungen bei der Toureneinteilung erforderlich sind. Der AWM geht jedoch davon aus, dass von Mitte Januar an wieder Normalbetrieb herrschen dürfte. Das AWM-InfoCenter informiert ab Freitag, 16. November, unter Telefon 233-962 00 über die geänderten Leerungstermine.

SZ/bem

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