Brancheninfo 06-01/2019

Brancheninfo 06-01/2019

150 150 Klaus Henning Glitza

OB ist stocksauer auf die AWISTA/ Abfallwirtschaftstage in Münster / Müllnöte in München/ Versandhäuser sollen sich an den Kosten beteiligen

 

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel ist stocksauer. Beim Joggen stieß er jüngst auf deutliche Anzeichen einer „unerträglichen Vermüllung und Verwahrlosung“ von Abfallcontainern- und richtete einen Brandbrief an die Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Entsorgung AWISTA.

Darin forderte der Sozialdemokrat von AWISTA-Chef Peter Ehler „regelmäßigere Leerungen“, eine „intelligentere Anordnung“ der Sammelstellen, Hinweisschilder sowie „erforderlichenfalls Maßnahmen wie Videoüberwachung und dergleichen“ ein. Unverhohlen schreibt der Oberbürgermeister, er habe den Eindruck,  dass „bei der Awista und ihren Gesellschaftern Stadtwerke und Remondis „Profite auch zu Lasten der Servicequalität erwirtschaftet werden“.

khg

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Zirkuläre Wertschöpfung – Ressourcenwirtschaft als Treiber“- unter diesem Leitmotto stehen die 16. Münsteraner Abfallwirtschaftstage am 12. und 13. Februar dieses Jahres.

Bei dieser alle zwei Jahre stattfindenden Konferenz stehen diesmal die Fragen „Welche Entsorgungswege für Kunststoffe gibt es mittel- und langfristig?“ „Wie sehen die Vollzugshinweise zur Gewerbeabfallverordnung aus?“ und „Wie kann ein hoher Qualitätsstandard bei der Entsorgung von Bioabfällen sichergestellt werden?“ im Mittelpunkt.

Aus Sicht der verantwortlichen Tagungsleiterin, Professor Dr. Sabine Flamme (Institut für Infrastruktur – Wasser – Ressourcen – Umwelt -IWARU- der FH Münster) ist die Branche an einem Punkt angelangt, an dem „wichtige Weichen für zukünftige Entwicklungen gestellt werden“. Um in dieser Situation Hilfestellungen zu geben, werden rund 40 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis eingehend über aktuelle Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten informieren.  Auf dem Programm stehen mehrere Foren zu unterschiedlichen Schwerpunkten, darunter „Verpackungsgesetz: Wie erfolgt die Umsetzung?“, „Unsere Branche in 2030+“ und „Digitalisierung: Konsequenzen für unsere Betriebe“. Parallel dazu bietet eine Informationsmesse und eine Abendveranstaltung viel Raum für den fachlichen Austausch.

Die als bundesweit renommierte Zusammenkunft von Entscheidern der Abfallwirtschaft geltende Fachveranstaltung beginnt am 2. Februar um 10 Uhr in der Messe und Congress Centrum (Halle Münsterland) mit der offiziellen Begrüßung. Anschließend folgen Vorträge aus Wissenschaft und Praxis. Am 13. Februar geht es mit den genannten Foren zu unterschiedlichen Themen weiter.

Praktiker und Experten, die an der Veranstaltung teilnehmen möchten, können sich dazu anmelden unter www.fhms.eu/anmeldung-tagung. Informationen zu den Münsteraner Abfallwirtschaftstagen sowie das ausführliche Programm finden Interessierte unter www.abfallwirtschaftstage.de.

Veranstalter sind das Institut für Infrastruktur – Wasser – Ressourcen – Umwelt (IWARU), die TAFH Münster GmbH, das Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft (ISWA), das Institut für Abfall, Abwasser und Infrastruktur-Management (INFA), das Institut für Site und Facility Management (ISFM), die Universität Rostock, die Technische Universität Berlin und die RWTH Aachen.

Die Fachveranstaltung, die sich an Vertreter aus Kommunen, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft richtet, findet bereits zum 16. Male statt.

bem/rd

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Mülltonne auf, Abfälle rein, Thema vergessen. So einfach stellen sich einige Zeitgenossen Entsorgung vor. Dass dem nicht so ist, ist kaum jemand klarer als den Verantwortlichen des Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) bewusst.

Seit Jahren wachsen die Einwohnerzahlen und die Müllmengen, ohne dass die Wertstoffhöfe mit dieser Entwicklung Schritt halten. Alle sind sich einig: Es bedarf neuer größerer Wertstoffhöfe plus, da die bisherigen Annahmestellen zu klein geworden sind.

Die AWM planen unter anderem einen Großmengen-Wertstoff an der Fasangartenstraße im Münchner Südosten. Dort befindet sich derzeit eine städtische Kompostieranlage, die aber wegen zu großer Nähe zu Neubauten umgesiedelt werden muss. Gegen einen dort entstehenden Maxi-Wertstoffhof könnte sich aber auch Widerstand regen.

khg

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Wachsende Online-Bestellungen lassen Müllmengen aus Pappkartons rasant steigen. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) fordert deshalb eine angemessene Kostenbeteiligung der Versandhäuser an der Altpapiersammlung

Das Internet verändert sowohl den Einzelhandel als auch die Medienlandschaft grundlegend. Immer weniger Menschen lesen gedruckte Zeitungen und Zeitschriften, immer mehr Menschen bestellen ihre Waren im Internet und die werden meist in Pappkartons geliefert. Die Konsequenzen der sprunghaften Zunahme von Versandverpackungen bekommen nach VKU-Angaben auch die Papierentsorger zu spüren. Denn die Zusammensetzung der Altpapiermengen in den Papiertonnen habe sich in den vergangenen Jahren grundlegend geändert. Oft landeten die Pappkartons – so wie sie sind – in der Papiertonne, ohne zerrissen oder zusammengefaltet zu werden. „Die Folge: Die Papiertonne ist schneller voll, obwohl weniger Mengen eingefüllt sind – mehr Volumen, weniger Gewicht“, so der VKU.

Eine von diesem Spitzenverband der kommunalen Unternehmen in Auftrag gegebene Studie des INFA-Instituts habe ergeben, dass der volumenbezogene Verpackungsanteil in der Tonne zwischen 64 und 70 Prozent beträgt. Bisher sei man jedoch von 15 bis 20 Prozent Verpackungsanteil ausgegangen. Dies ist auch die Basis für die Kostenabrechnung. „Das wirkt sich auf die Müllgebühren aus, die die Bürger zahlen müssen. Sie zahlen derzeit doppelt für die Entsorgung von Verpackungen aus Papier und Pappe. Das kann nicht sein“, erklärt dazu VKU-Vizepräsident Patrick Hasenkamp

Um das zu verstehen, müsse man wissen, wie die Hausmüllentsorgung in Deutschland organisiert ist: Während die Kommunen für die Entsorgung von Zeitungen, Zeitschriften und Druckpapieren zuständig sind, sind die so genannten dualen Systeme für die Entsorgung von Verpackungen, also die Kartonagen, zuständig. Für die Entsorgung der Verpackungen zahlen die Kunden bereits mit dem Kauf der Produkte. Die Hersteller geben diesen Betrag weiter an die dualen Systeme, die die Entsorgung der Verpackungen organisieren. Hasenkamp: „Die Kosten für die Papierentsorgung teilen sich Kommunen und duale Systeme. Bisher zahlen die dualen Systembetreiber im Durchschnitt nur 15 bis 20 Prozent – viel zu wenig also in Anbetracht des enorm gestiegenen Verpackungsanteils.“

Hasenkamp: „Aktuell lastet ein zu hoher Anteil der Sammelkosten für Kartonagen auf den Gebührenzahlern, obwohl sie für deren Entsorgung bereits beim Kauf bezahlt haben. Dem müssen sich die Systeme stellen: Sie müssen Wege finden, die Versandhändler in angemessener Höhe an den Kosten für die Altpapiersammlung zu beteiligen. Das wäre auch ökologisch vorteilhaft: Der finanzielle Druck könnte für Versandhändler Anreize schaffen, über Alternativen zu dieser exzessiven Verpackungsflut nachzudenken.“

Der VKU stellt aktuell seinen Mitgliedern die Ergebnisse des INFA-Gutachtens zur Verfügung, verbunden mit dem Appell, die neu ermittelten Verpackungsanteile künftig der Abrechnung der Sammelkosten gegenüber den Systemen zugrunde zu legen. Die Verhandlungen hierüber zwischen den Kommunen und den Systemen in den rund 800 Entsorgungsgebieten in Deutschland werden in Kürze beginnen.

bem/rd

 

 

 

 

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