Besonders schon immer: die Eko-Punkt GmbH

Besonders schon immer: die Eko-Punkt GmbH

150 150 Klaus Henning Glitza

Firmengeschichte mit Höhen und Tiefen / Ein System mit Pause

 

Etwas Besonderes war EKO-Punkt schon immer. Nämlich  das wohl einzige deutsche Duale System, das seinem Systembetrieb eine sechsjährige Pause verordnete, um dann erneut durchzustarten.

Hinter der REMONDIS-Tochter Eko-Punkt liegt eine Firmengeschichte, in der es an Höhen und Tiefen nicht fehlte. In das Handelsregister eingetragen wurde sie , nachdem er Gesellschaftsvertrag bereits am 28. Oktober 2004 geschlossen worden war. am 23. Mai 2006. Erster Sitz war Mönchengladbach, Speicker Straße 2. Im Dezember 2009 beschloss die Gesellschafterversammlung die Sitzverlegung nach Lünen, Brunnenstraße  138.

Offene Worte im Jahr 2014

Man schrieb das Jahr 2014, als das REMONDIS-System in einer Pressemitteilung Erstaunliches offenbarte. Dass von einigen Dualen Systemen hinsichtlich der Lizenzmengen getrickst wurde,  was das Zeug hielt, war in der Branche bis dahin ein zwar offenes, aber nicht öffentliches  Geheimnis. In der zweifelhaften Kunst, Lizenzmengen durch angebliche „Eigenrücknahmen“ und „Branchenlösungen“ wegzurechnen, taten sich mehrere Systeme unrühmlich hervor. Auch Unternehmerpersönlichkeiten, mit denen REMONDIS später Geschäfte machte, sollen mitgemischt haben.  Das  sowohl  ethisch als auch rechtlich unkorrekte Ziel: Eigene Kostenreduzierungen zu Lasten der seriös arbeitenden Systeme.

Wie auch immer: Die Eko-Punkt GmbH und ihr Mutterkonzern sprachen  2014 unverblümt an, was den ehrlichen Teil der Branche seit langem bewegte. „Die Eigenrücknahmemengen, also die Mengen, die der Bürger angeblich wieder zurück in den Verkaufsraum bringt, haben sich von ohnehin schon realitätsfernen 122.532 Tonnen im Jahr 2013 auf aberwitzige 236.320 Tonnen für das Jahr 2014 erhöht“, meldete sich damals  REMONDIS-Geschäftsführer Herwart Wilms per Pressemitteilung zu Wort.

Der Rohstoff aller Dualen Systeme: Leichtverpackungsabfälle (LVP) aus Gelben Säcken oder Tonnen Unser Bild zeigt die Sammlung in Hannover. Nicht selten offenbaren die Müllwerker akrobatische Züge Foto: aha

Zwar habe  der Gesetzgeber mit der 7. Novelle der Verpackungsverordnung die Eigenrücknahmen abgeschafft, „es aber leider versäumt, auch die anderen Schlupflöcher wie Branchenlösungen vollständig zu schließen“, so der Topmanager. Besonders prekär bleibe seinen Worten zufolge „ die Tatsache, dass es nach wie vor keinerlei Kontrollanweisungen oder Verwaltungsvorschriften für den Vollzug gibt“.  Es entspreche der Logik des Systems, „dass somit auch weiterhin mit findigen Scheinlizenzierungen versucht werden wird, sich aufgrund des fehlenden Vollzugs durch weitere Mengenreduzierung von den steigenden Kosten zu entlasten“. Dadurch drehe sich die Spirale aus Mengenschwund und Finanzierungslücke mit zunehmendem Tempo weiter nach unten. „Als ehrlicher Systembetreiber können und wollen wir diese Situation nicht länger hinnehmen“. so Wilms.

Der radikale Schritt

Den Worten folgten radikale Schritte.  Zum Ende des Jahres 2014 stellte Eko-Punkt den Systembetrieb ein und fungierte seitdem nur noch  als Berater und Vermittler. Ein Schattendasein gegenüber der vorherigen Aufgabenfülle.

„Das war ein schwerer Fehler“. Diese Erkenntnis machte sich bald im gesamten REMONDIS-Konzern breit. Die Lünener suchten nach einer Lösung und warfen einen begehrlichen Blick auf den Grünen Punkt, das älteste der deutschen Rücknahmesysteme. Keine Lösung, sondern ein Fusionsvorhaben, das  krachend scheiterte. Erst bekamen die REMONDIANER vom Bundeskartellamt die rote Karte, dann schob das als Oberlandesgericht Düsseldorf der Fusion REMONDIS-Grüner Punkt einen Riegel vor. Die Lünener verzichteten schließlich auf weitere, weil vermutlich erfolglosem  Rechtsmittel und gaben sich geschlagen.

Der zweite Pfeil im Köcher

Diese für REMONDIS untypische „Kapitulation“ fiel leichter, weil die Strategen aus dem westfälischen Lünen einen zweiten Pfeil im Köcher hatten.  Und  das in Gestalt des Recycling Kontor GmbH Co. & KG (RKD). In Köln ansässig wie der Grüne Punkt, aber sehr viel kleiner und operativ noch gar nicht aktiv.  Ein Duales System in der Warte. und Genehmigungsschleife.  Dass RKD-Chef Dr. Florian Dühr verkaufsbereit war, war branchenintern  ähnlich geheim wie eine Werbung auf einer Litfaßsäule. Und schon war der soeben durch Kartellamt und OLG versperrte  Weg wieder frei für ein neues Duales System „im Auftrag der Zukunft“.

Der  promovierte Jurist und ehemalige Interseroh-Manager Dühr profitierte nicht nur finanziell. Er wurde Geschäftsführer der EKO-PUNKT GmbH & Co. KG, einer Art Nachfolgefirma der einstigen RKD.

Für den geschäftstüchtigen Doktor jedenfalls hat sich die Transaktion gelohnt.

K H Glitza

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