Berlin: NochMall- mehr als ein reiner Shop für gebrauchte Waren

Berlin: NochMall- mehr als ein reiner Shop für gebrauchte Waren

150 150 Klaus Henning Glitza

Einrichtung soll zum „Erlebnisort für Kreislaufwirtschaft und Abfallvermeidung“ werden

 

 

Die Berliner Stadtreinigung will die NochMall zu einer „innovativen Plattform für Re-Use und Nachhaltigkeit“ entwickeln, kündigt Vorstandsvorsitzende Stephanie Otto an. Foto: BSR

Second-Hand-Kaufhäuser gibt es einige- und das ist gut so. Die am vergangenen Sonnabend eröffnete „NochMall“ der Berliner Stadtreinigung (BSR) wird aber weitaus mehr sein als ein reiner Shop für Gebrauchtwaren. Laut BSR-Chefin Stephanie Otto soll die neue Einrichtung mit über 2.000 Quadratmetern Verkaufsfläche zu einer „innovativen Plattform für Re-Use und Nachhaltigkeit“, zu einem „Erlebnisort für Kreislaufwirtschaft und Abfallvermeidung“ werden.

„Neben dem Stöbern und Entdecken von gutem Gebrauchten, werden wir hier auch Repair-Cafés und Upcycling-Workshops durchführen“, kündigte die BSR-Vorstandsvirsitzende während der Eröffnungsfeier an. Um die Aufmerksamkeit auf alle Angebote für nachhaltigen Konsum zu unterstützen, solle es Dis­kussions­veranstaltungen zum Thema Wiederverwendung und Pop-Up-Stores für nachhaltige Produkte geben.

„Alles außer neu“. Das ist das Motto der NochMall. Der Name  steht für „noh mal(l) verwendet“, Mall ist ein im Englischen oft verwendeter Begriff für ein Einkaufszentrum. Das Sortiment umfasst derzeit rund 15.000 Artikel in zehn Warengruppen (beispielsweise  Möbel, Kleidung, Elektrogeräte, Haushaltswaren, Spielzeug und Bücher). Die Waren wurden auf den Recyclinghöfen Hegauer Weg und Lengeder Straße gesammelt oder von Berlinern  direkt in der „NochMall“ abgegeben. Geld gibt es dafür nicht, aber das unbezahlbare gute Gefühl, einem sonst entsorgten Gegenstand zu einer neuen Nutzung zu verhelfen, Man trennt sich leichter von Artikeln, die man auch weiterhin in guten Händen weiß.

Die Preise sind im Gegenzug überaus moderat. Für einen Euro gibt es bereits Gläser, Besteck und Teller zu kaufen, wie die Berliner Morgenpost berichtet. Hochwertige Holzstühle werden für günstige 7 Euro angeboten.

Die betreibende „NochMall GmbH“ ist eine 100-prozentige Tochter der BSR und beschäftigt knapp 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Standort ist das Gelände eines ehemaligen Baumarkts auf dem Viktoriahof in Reinickendorf. Gut zu wissen: Das Geschäftsmodell der „NochMall“ ist nicht gewinnorientiert. Es sollen lediglich die Kosten für den Betrieb des Kaufhauses gedeckt werden.

Ein „neues normales Einkaufserlebnis“ hatte Stefan Tidow, Berlins Staatssekretär für Umwelt und Klimaschutz, während der Einweihungsfeier vor Augen. „Erstmal in der ‚NochMall‘ oder einem anderen Gebrauchtwaren­kaufhaus stöbern, ob man hier nicht fündig wird für seine Neuanschaffung“, sagte er. Wer so einkaufe und Dingen ein zweites Leben schenke, trage zum Ressourcenschutz und zur Abfall­vermeidung bei. „Gebrauchtwarenkaufhäuser sollten zu Orten werden, in denen ein neues Konsumverhalten ausprobiert und kreativ weiterentwickelt wird“, so Tidow. Die Berliner Re-Use-Initiative und das Leitbild einer abfallarmen Stadt würden „hier sehr konkret und zum umweltfreundlichen Shoppingerlebnis.“

Dem einen ist es im Wege, dem anderen zum Second-Hand-Preis hochwillkommen. Auch Fahrräder sind bei NochMall im Angebot. Foto: BSR

Auch Reinickendorfs Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) freute sich bei der Einweihung über die neue Einrichtung. Sie ergänze „hervorragend die großen Anstrengungen unseres Bezirks, im täglichen Leben nachhaltig zu wirken“. Balzer erinnerte daran, dass das Bezirksamt nur noch Veranstaltungen genehmigt, die auf Einweg-Plastikgeschirr verzichten, und hob den Kooperationsvertrag mit den Stadtwerken für großflächige Photovoltaik-Anlagen auf drei Reinickendorfer Schulgebäuden hervor.

Positive Worte fand ebenso Raphael Fellmer, Gründer und Geschäftsführer des Berliner Nachhaltigkeits-Start-Ups „SIRPLUS“: „Die BSR hat den Zeitgeist verstanden und ihn mit der ‚NochMall‘ real erlebbar gemacht! Ich bin unglaublich dankbar, dass Berlin jetzt die beste und zukunftweisendste Mall der Stadt bekommt“, sagte er bei der Eröffnung.  Die NochMall sei das „beste Beispiel für gelebte Enkeltauglichkeit“-  Bei im Durchschnitt pro Haushalt weit über 1.000 Euro, die an nicht genutzten Gegenständen nur rum­liegen, sehe er ein großes Potenzial, „dass es bald in jedem Bezirk ein Secondhand-Kauf­haus gibt“. Fellmer dankte „dem BSR-Team und allen Gegenstandsrettern fürs Möglich­machen.“

Die Kontaktdaten der „NochMall“:
Auguste-Viktoria-Allee 99
13403 Berlin
E-Mail: info@NochMall.de

Website: www.NochMall.de

Öffnungszeiten:
Montags bis samstags: 10 bis 18 Uhr

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