Bei VEOLIA werden Karten neu gemischt

Bei VEOLIA werden Karten neu gemischt

150 150 Klaus Henning Glitza

SUEZ-Managerinnen und Manager in  Führungsgremium berufen

 

Zwar wird VEOLIA offiziell erst  Ende 2021 einen großen Teil von SUEZ übernehmen, aber schon heute werden die Weichen gestellt. Oder wie Insider sagen, die Karten neu gemischt.

Wie VEOLIA mitteilt, hat CEO Antoine Frérot jüngst bekanntgegeben, welche SUEZ-Topmanager zum Stichtag der Fusion  in seinen Führungsstab übernommen werden:

• Isabelle Calvez, derzeit Director of Group Human Resources bei SUEZ, in gleicher Position bei VEOLIA.
• Sébastien Daziano, derzeit Direktor für Exekutivkoordination, Bürgschaft und institutionelle Beziehungen bei Suez, als Direktor für Strategie und Innovation bei Veolia.
• Azad Kibarian, derzeit CEO von IWS (Industrial Waste Specialities) Europe, als Direktor der Italienischen und Afrika-Nahost-Zone bei VEOLIA.
• Angel Simon, derzeit Executive Vice President der Region Südeuropa und Lateinamerika der Gruppe, als Direktor der Zone Iberia und Lateinamerika.

Das Führungsgremium von VEOLIA wird somit zu einem Viertel aus ehemaligen SUEZ-Topmanagern bestehen.

Fast wäre es fünf gewesen

Fast wären es derer fünf gewesen. Umworben wurde auch Ana Giros, als stellvertretende SUEZ-Generaldirektorin insbesondere für Asien und große Industriekunden zuständig. Die Hauptgesellschafter des neuen SUEZ,   die Fonds Meridiam und GIP sowie die Caisse des Dépôts et Consignations, konnten die Spanierin aber überzeugen, bei SUEZ zu bleiben. Das gilt auch für  Maximilien Pellegrini, den geschäftsführender Direktor Eau France bei SUEZ.

Camus nicht mehr dabei

Komplett aus dem Rennen ist der derzeitige (Noch-) SUEZ-CEO Bertrand Camus. Bereits bei der Unterzeichnung des so genannten Annäherungsabkommens am 14, Mai hatte er verlauten lassen. dass er weder beabsichtige, bei SUEZ zu bleiben noch VEOLIA beizutreten. In freier Übersetzung erklärte: „Ich habe beschlossen, nicht Teil des Abenteuers des neuen SUEZ zu sein“

Kanzlei auf Nachfolgersuche

VEOLIA international: Anlage in China. Foto: : VEOLIA library – Ken Choi

Das Aktionärskonsortium hatte daraufhin  die Kanzlei Spencer Stuart beauftragt, einen Nachfolger für ihn  zu suchen. Interne Bewerbungen von Jean-Marc Boursier und Diane Galbe, Strategie-Direktorin  und rechte Hand von Camus, abgelehnt. Madame Galbe hat sich sehr stark in der Übernahmeschlacht engagiert.  Tendenz war es, externen Kandidatinnen  oder Kandidaten den Vorrang zu geben,   Nach Informationen vom Le Monde  scheint Laurent Guillot, unglücklicher Kandidat für die Generaldirektion von Engie, der gerade die Finanzdirektion von Saint-Gobain verlassen hat, gut aufgestellt zu sein. Sylvie Jéhanno, CEO von Dalkia, wäre ebenfalls dabei.

Interessant: Wirtschaftlich geschadet haben weder die neunmonatige unsägliche Übernaheschlacht noch die Corona-Krise beiden Konzernen nicht.  VEOLIA und SUEZ  konnten ein starkes Wachstum ihrer Geschäftstätigkeit im Vergleich zu 2020 verzeichnen.

Schrittweiser Ausstieg aus der Abfallentsorgung

Der VEOLIA-Konzern, der nach der „Annäherung“ genannten Fusion  VEOLIA zu den wenigen Unternehmen gehört, wird künftig weitaus deutlicher auf Rendite getrimmt sein. Im Klartext bedeutet das, dass schrittweise aus der Abfallentsorgung aussteigen will, weil die Marge als zu gering angesehen wird.  Dasselbe gilt auch für Gebäudemanagement, Kläranlagen und Fernwärme.

Die Zukunftspläne

VEOLIA will künftig stärker in die Wiederverwertung von Kunststoffabfällen einsteigen. Foto: VEOLIA

Perspektivisch  wachsen will VEOLIA dagegen  bei der Entsorgung gefährlicher Abfälle, dem Recycling und der Verwertung von Kunststoffen, der Energieeffizienz und der Aufbereitung von stark belastetem Wasser für industrielle Prozesse.

Ein weiterer Schwerpunkt wird nach Angaben von Antoine  Frérot das Recycling von Batterien aus E-Autos  sein. „In zehn Jahren müssten rund eine Million dieser Stromspeicher in ihre Grundstoffe zerlegt werden. Gelinge das nicht, drohen laut dem Veolia-Chef in einigen Jahren Engpässe bei Rohstoffen wie Nickel und Lithium“, zitiert das Handelsblatt den VEOLIA-Chef.  Auch die Verbesserung der Luftqualität in Gebäuden sehe  der CEO als Wachstumstreiber.

Wachsen will VEOLIA vor allem auf dem deutschen Markt, der unternehmensintern als einer der wichtigsten weltweit angesehen wird. In Deutschland wird mehr bewegt als in ganz Lateinamerika zusammen. Während VEOLIA wachsen will, muss SUEZ wachsen, um dem nach der Fusion übermächtigen Erzrivalen VEOLIA Paroli bieten zu können. Auch für SUEZ ist der deutsche Markt von entscheidender Bedeutung.

Der deutsche Entsorgungs- und Recyclingbranche ist, wie man weiß,  einem Umbruch ausgesetzt,   Es wird sich zeigen, wie sich die künftige Konkurrenz der beiden französischen Konzerne auf die Marktsituation auswirken wird, Beide werden sich aller Voraussicht nach einen großen deutschen offizielklen oder inoffiziellen  Kooperationspartner suchen.

Es bleibt spannend und EM bleibt dran.

 

khg auf Grundlage von Berichten von le Monde, dem Handelsblatt und eigenen Recherchen

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