Aus der Wissenschaft 01-08/2019

Aus der Wissenschaft 01-08/2019

Aus der Wissenschaft 01-08/2019 150 150 Klaus Henning Glitza

Neuer Bericht warnt: Ökosysteme stehen vor dem Zusammenbruch

 

Die Ökosysteme auf den Landflächen der Erde, ohne die weder Gesellschaft noch Wirtschaft existieren können, sind in akuter Gefahr . Zu diesem Ergebnis kommt der Sonderbericht „Klimawandel und Land“ des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), der am heutigen Donnerstag veröffentlicht wurde.

Der Bericht thematisiert die neuesten Erkenntnisse zum Klimawandel und dessen Wechselwirkung mit Aspekten wie Desertifikation, Landdegradierung oder Ernährungssicherheit.

„Umweltzerstörung und der vom Menschen verursachte Klimawandel führen Ökosysteme weltweit an den Rand des Zusammenbruchs“, macht Professorin Almut Arneth, eine der Autorinnen des aktuellen IPCC-Berichtes deutlich.  Beides stehe in einem engen Zusammenhang: So verstärkten die Abholzung von Wäldern, das Trockenlegen von Feuchtgebieten oder eine exzessive Landwirtschaft den Klimawandel.

„Gleichzeitig destabilisiert der Klimawandel wiederum die Ökosysteme“, macht die Universitätsprofessorin am Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Atmosphärische Umweltforschung, dem Campus Alpin des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in Garmisch-Partenkirchen, deutlich.

Almut Arneth und die weiteren Autorinnen und Autoren führen außerdem Handlungsoptionen zur Anpassung an die neuen Bedingungen sowie zur Eindämmung von Klimawandel auf dem Land auf: Die wissenschaftlichen Erkenntnisse hierzu liegen auf dem Tisch – wir müssen nicht nur den weiteren Verlust von natürlichen Ökosystemen wie Wäldern, Savannen und Feuchtgebieten stoppen, sondern Ökosysteme wiederherstellen. Gleichzeitig müssen wir die Weide- und Landwirtschaft insgesamt klimafreundlicher gestalten. Um dies zu erreichen, ist ein enges Zusammenspiel von Maßnahmen notwendig, von der angepassten Lebensmittelproduktion über die Reduktion von Nahrungsmittelverlusten bis zur Förderung eines nachhaltigeren Konsumverhaltens – also entlang der gesamten Kette von der Produktion bis zum Verbraucher“, hebt Professorin Arneth hervor.

Der Sonderbericht beschäftigt sich entsprechend auch mit der Gestaltung von Gesetzen, Institutionen und staatlichen Steuerungsmechanismen, die aus Sicht der Autorinnen und Autoren am besten geeignet sind, um diese Handlungsoptionen auszuschöpfen. So sollten ganzheitliche und inkludierende Ansätze bevorzugt werden, die dabei marginalisierte Bevölkerungsgruppen nicht ausschließen.

Da Maßnahmen wie die Wiederaufforstung nach Erkenntnissen der Autorinnen und Autoren erst nach vielen Jahren Wirkung zeigen, geben sie außerdem Empfehlungen für sofortiges Handeln, die IPCC-Autorin Almut Arneth wie folgt zusammenfasst: Die wirksamste und wichtigste Maßnahme gegen den Klimawandel ist es, die menschenverursachten Emissionen von Treibhausgasen rapide und stark einzuschränken. Die Art und Weise, wie wir unser Land nutzen, kann hier durchaus auch zeitnah einen Beitrag leisten, wie beispielsweise schonende Bodenbearbeitung, oder nachhaltige Forstwirtschaft. Aber wir dürfen die Klimawandelminderung nicht dem Land überlassen.“

Mehr Informationen: https://www.de-ipcc.de

KIT/rd

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