Alle Jahre wieder: Wenn der Silvestermüll einfach liegenbleibt

Alle Jahre wieder: Wenn der Silvestermüll einfach liegenbleibt

150 150 Klaus Henning Glitza

Selten wird die Bedeutung einer funktionierenden Stadtreinigung deutlicher als am Neujahrstag

 

 

Die Party ist vorbei- nicht aber die Arbeit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR). Silvestermüllbeseitigung in der Bundeshauptstadt. Foto: BSR

Wem etwas herunterfällt, der hebt es in den meisten Fällen wieder auf.  Nicht so bei abgebrannten Silvesterböllern, Reste von Feuerwerksraketen, leeren Flaschen und Scherben- die werden einfach liegen gelassen.  Deutsche Realität zu Neujahr. Wenn sich der Qualm längt verzogen hat, bleiben oft Straßen, Plätze und Gehwege zurück, die vor Silvestermüll starren und nicht nur sinnbildlich so aussehen, als hätte eine Bombe eingeschlagen.

In diesem Ausnahmezustand schlägt die Stunde der Reinigungstrupps. Welche Bedeutung diese Männer und Frauen im Dienste der  Sauberkeit haben, wird selten deutlicher als am Neujahrstag.  Denn sie machen aus verschmutzten und vermüllten Dörfern und Städten wieder saubere Orte. Und das zu Zeiten, in denen andere noch in Feierstimmung das neue Jahr begrüßen, genüsslich frühstücken  oder in Morpheus Armen ruhen. EM kann nicht die Leistungen in allen Städte und Gemeinden erwähnen, zeigt aber gerne einige Beispiele auf.

Die Großaktion Saubere Stadt wurde in Hamburg bereits kurz nach Mitternacht gestartet. 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtreinigung Hamburg (SRH) beseitigten mit rund 45 Einsatzfahrzeugen Silvestermüll von Gehwegen und Fahrbahnen sowie aus einigen Grünanlagen an traditionellen Treffpunkten von Neujahrsfeiern. Die Reinigungsarbeiten dauerten bis in den Nachmittag an.

Nach ersten Schätzungen wurden rund zehn Tonnen Glasscherben, Flaschen, Kartonagen und Böllermüll entsorgt. Das klingt viel, ist aber deutlich weniger als am vorigen Neujahrsmorgen 2019, als rund 15 Tonnen gesammelt wurden. Insbesondere in der Neustadt und an Hafenrand lag weniger Böllermüll herum als sonst.

Großaufgebot auch in der Bundeshauptstadt. Für den Spezialeinsatz  Neujahrsreinigung am 1. Januar standen rund 550 Beschäftigte und 150 Fahrzeuge der Berliner Stadtreinigung (BSR) bereit. Die Reinigungsmaßnahmen am Neujahrstag konzentrierten sich auf Schwerpunkte, beispielsweise das Partymeilen-Umfeld und die Neujahrslauf-Strecke. Ab dem heutigen  2. Januar beseitigt die BSR den Silvestermüll in den übrigen Stadtgebieten – im Rahmen der normalen Straßenreinigung.

Im Partymeilen-Umfeld und auf der Neujahrslauf-Strecke waren die BSR-Mitarbeiter  bereits ab 2 Uhr morgens im Einsatz. Weitere Schwerpunkte am gestrigen  1. Januar  waren stark besuchte Orte wie Kurfürstendamm, Schönhauser Allee und Hermannplatz. Allein an diesen Reinigungsschwerpunkten fielen schätzungsweise 350 Kubikmeter Müll an.

Ab dem heutigen  2. Januar befreit die BSR dann das übrige Stadtgebiet vom Silvesterschmutz, und zwar im Rahmen der normalen Straßenreinigung. Die Einsatzkräfte arbeiten sich dabei von den Haupt- in die Nebenstraßen vor.

Alle Jahre wieder kommt der Neujahrsputz, hieß es auch in Hannover. Bereits gestern ab 8 Uhr sind aha-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abfallwirtschaft Region Hannover (aha) mit Laubblasgeräten und Besen durch die hannoversche Innenstadt und die Lister Meile gezogen. Mit Unterstützung von sechs Kehrmaschinen haben sie allerlei Böllerreste, Verpackungsmüll und kaputte Flaschen entsorgt. Aufgrund des Verbotes von Feuerwerkskörpern auf den großen Plätzen in der Innenstadt von Hannover sei auch in dieser Silvesternacht weniger Müll (etwa 30 Kubikmeter) zusammengekommen, teilt aha mit.

Thomas Schwarz, aha-Geschäftsführer, war auch in diesem Jahr mit dabei. „Die aha-Kolleginnen und Kollegen leisten auch an Neujahr eine tolle und vor allem wichtige Arbeit.“ Bis zur Mittagszeit waren die zentralen Punkte der Innenstadt wieder sauber“, freute er sich.

Die aha-Mannschaft wurde auch in diesem Jahr wieder tatkräftig vom muslimischen Verein „Majlis Khuddam-ul-Ahmadiyya Deutschland“ unterstützt. Seit über 20 Jahren fegen dessen Mitglieder an Neujahr Seite an Seite mit den aha-Beschäftigten. Sie sehen ihren freiwilligen Einsatz als Bürgerengagement für die Stadt, in der sie leben.

Die großen Feuerwerksbatterien sind ein Problem für die Kehrmaschinen. Foto: GEB

Seit den frühen Stunden des Neujahrtages waren die Mitarbeiter der Stadtreinigung Dresden GmbH (SRD) unterwegs, um Plätze, Straßen und Gehwege in der Dresdner Innenstadt von Silvesterabfällen zu reinigen. Dabei waren fünf Großkehrmaschinen, fünf Kleinkehrmaschinen, vier Papierkorbwagen und acht Kleintransporter im Einsatz.

„Der Jahreswechsel und die damit verbundenen Feierlichkeiten mit Silvesterraketen und Böllern haben uns auch im jungen Jahr 2020 einiges an Arbeit beschert“, sagt Dieter Buttig, Einsatzleiter der Reinigung. „Während die meisten Dresdnerinnen und Dresdner noch schlafen, sind die Mitarbeiter der SRD im Einsatz, um schnell für ein sauberes und verkehrssicheres Dresden zu sorgen.“

Der Einsatz am Neujahrstag dauerte von 7 bis zirka 13 Uhr. Dieter Buttig: „Nach diesem ersten Reinigungseinsatz gibt es aber auch in den nächsten Tagen noch einiges zu tun. Unser Ziel ist es, Dresden so schnell wie möglich sauber zu bekommen – auch bevor eventuell Schneefälle einsetzen.“ Ein einbrechender Winter zum Jahreswechsel macht die Silvesterreinigung häufig zu einem Wettlauf gegen die Zeit. „Wir rechnen insgesamt mit ca. 40-45 Tonnen Silvesterabfällen“, meint Dieter Buttig. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 37 Tonnen, 2017/2018 45 Tonnen und 2016/2017 42 Tonnen.

Zwölf Mitarbeiter der  Frankfurter Fußweg-Reinigung (FFR) bildeten kurz nach Mitternacht das „Vorauskommando“. Sie reinigten Brücken  und Uferstraßen. Um 7 Uhr kamen 80 Kolleginnen und Kollegen der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) dazu. Insgesamt wurden bei diesem ersten Einsatz in Frankfurt am Main 20 Tonnen Silvestermüll entsorgt.

Das große Reinemachen war auch in Göttingen angesagt. „Während die Göttinger ihren Kater pflegen oder einfach nur entspannt ein leckeres Neujahrsfrühstück zu sich nehmen, sind die Straßenreiniger der GEB innerhalb der Wallanlagen selbst am Neujahrsmorgen für die Sauberkeit im Einsatz“, weist Maja Heindorf, Sprecherin der Göttinger Entsorgungsbetriebe (GEB) auf die  ungewöhnlichen und belastenden Dienstzeiten hin.

Wie die anderen Entsorgungs- und Stadtreinigungsbetriebe auch macht die GEB auf die Mitwirkungspflicht der Feiernden aufmerksam. Knallermüll sollte zeitnah zusammengekehrt und über den Restabfallbehälter entsorgt werden. „Neben Verunreinigungen stellen die massiven Blöcke abgebrannter Feuerwerksbatterien und auch Flaschen auf Gehwegen und Fahrbahnen Stolperfallen und damit Gefahrenquellen dar. Bei Frost ist keine maschinelle Reinigung möglich, und bei feuchter Witterung haften die Knallerreste am Boden.

Einen ähnlich dringenden  Appell richtete die Stadtreinigung Hamburg (SRH)  an die Bürger, , Flaschen und massive Blöcke abgebrannter Feuerwerks-Batterien sollten nach Benutzung zu entfernen und über die Sammelsysteme zu entsorgen. „Flaschen und Glasscherben bitte in die entsprechenden Glascontainer werfen, Feuerwerksreste in die schwarze Restmülltonne. Flaschen, Glasscherben und Reste der Feuerwerksbatterien seien besonders auf Fahrbahnen eine ernsthafte Gefahr. Fahre ein Fahrzeug über leere Flaschen, könnten sie zu Geschossen werden und Passanten verletzen. Zudem verstopften die Feuerwerksbatterien und Flaschen die Saugschläuche der Kehrmaschinen.

Auch die BSR berichtet davon, dass wie bereits in den Vorjahren erschweren große Feuerwerksbatterien die Reinigung erschwerten,  weil diese per Hand eingesammelt werden müssen. Wer den BSR-Beschäftigten die Arbeit etwas erleichtern möchte, sollte ausgebrannte Feuerwerksbatterien separat entsorgen. “Auch leere Flaschen bitte nicht auf den Straßen stehen lassen. Diese stellen zudem eine große Verletzungsgefahr für Mensch und Tier dar.“, so die BSR.

Für private Gehwege sind die Nutzer beziehungsweise die Eigentümer verantwortlich- und das auch dann, wenn sie den Silvestermüll nicht verursacht haben. In vielen städtischen Verordnungen sind Reinigungspflicht und Strafen bei Zuwiderhandlung  festgeschrieben.

Die Reinigung vor er eigenen Haustür liegt im eigenen Interesse. „Sorgen Sie für Sauberkeit im Quartier, bevor die Knallerreste festfrieren oder durch Feuchtigkeit fest am Erdboden haften“, appelliert Maja Heindorf von der GEB.  Das gilt auch für Straßen. Wenn es nämlich zu Schneefällen oder Glatteisbildung kommt, wird die Reinigung abgebrochen oder zumindest deutlich eingeschränkt- Vorrang hat dann der Winterdienst. Der Silvestermüll ist erst bei freundlicheren Temperaturen wieder an der Reihe. Und bildet solange eine Gefahr.

AM/MH/KL/SK/BZ/khg

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