Aktuelle Umweltinformationen

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BP: Entsorgung auf die billige Art? / Der DUH betont “Deutschland hat ein Nitratproblem”

 

Nach Recherchen des TV-Magazins Monitor und des WDR Hörfunks soll das weltweit agierende Mineralöl- und Energie-Unternehmen BP „seit Jahren giftige ‚Ölpellets‘ in einem Kohlekraftwerk in Gelsenkirchen“ entsorgen. Laut MONITOR und WDR Hörfunk geht es um jährlich zehntausende Tonnen krebserregender Raffinerie-Rückstände, die mit dort mit Genehmigung der Behörden verbrannt werden. Mehrere Gutachten stuften die Ölpellets als „gefährlichen Abfall“ ein, da sie stark mit Ölrückständen und Schwermetallen belastet sind. Recherchen von MONITOR und WDR Hörfunk zeigten: „Anstatt die Pellets als Sondermüll zu entsorgen, wurden sie bei BP zu einem weitgehend harmlosen Regelbrennstoff für Kraftwerke umdeklariert – offenbar um Geld zu sparen.“  Autoren des Monitor-Beitrages waren Jochen Taßler, Lutz Polanz und Jürgen Döschner.

rd/khg

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Schleichend und von der breiten Öffentlichkeit kaum bemerkt, würden immer mehr Grundwasserbrunnen stillgelegt. Der Grund laut Deutsche Umwelthilfe (DUH): „Deutschland hat ein Nitrat-Problem“. 28 Prozent der Grundwasser-Messstellen in landwirtschaftlichen Regionen überschritten den EU-weit geltenden Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter, wie schon aus dem Nitratbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2016 hervorgehe. Unter allen EU-Staaten weise Deutschland die zweithöchste Nitrat-Belastung des Grundwassers auf, so die DUH. Nur Malta habe höhere Nitrat-Konzentration zu verzeichnen.

Bleibe die Situation so bestehen, „drohen in Zukunft weitaus höhere Preise für Trinkwasser, denn die Wasserversorger müssen das Nitrat technisch aufwändig herausfiltern.“

Hauptquelle für die Nitrat-Belastung ist aus DUH-Sicht die intensive Landwirtschaft. Aber auch Teile der Bioenergieproduktion zähle zu den möglichen Verursachern.  Da ein Schutz des Grund- und Trinkwassers hierzulande nicht in Sicht sei, hat die Umweltschutzorganisation, um die Politik zum Handeln zu bewegen, Klage beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eingereicht. Gerichtet ist sie gegen die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundeslandwirtschaftsministerium.

Dazu betont Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH:

„Wir wollen nach der ‚Sauberen Luft’ auch das ‚Saubere Wasser‘ auf dem Klageweg durchsetzen. Unsere Klagestrategie für die Einhaltung der Luftqualitätsgrenzwerte zeigt eindrucksvoll, dass die notwendigen Schritte nur gerichtlich erzwungen werden können. Während Deutschland vor der Kanzlerschaft von Angela Merkel für andere Staaten ein Vorbild im Umweltschutz war und regelmäßig die EU-Normen übererfüllt hat, laufen heute gegen kaum einen anderen EU-Staat so viele Vertragsverletzungsverfahren wegen des Verstoßes gegen EU-Vorschriften wie gegen Deutschland“.

Die Nitratwerte im Grundwasser sind nach Angaben der Umweltschutzorganisation vor allem in Regionen mit intensiver Schweine-, Rinder- oder Geflügelzucht auf ein alarmierendes Niveau gestiegen, denn hier fielen riesige Mengen an Exkrementen an. Die hohe Nachfrage nach Billigfleisch im In- und Ausland heize die Entwicklung an, bis hin zur industriellen Produktion.  Die DUH: „Viele Massentierhaltungsbetriebe haben keine oder zu wenige eigene Flächen, auf die sie die Ausscheidungen ihrer Tiere verteilen könnten. Daher wird Gülle in weit entfernte Ackerbauregionen gekarrt. Gülle aus Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen wird in ostdeutsche Bundesländer und sogar ins Ausland gekarrt. Gleichzeitig nehmen deutsche Landwirte Nachbarländern mit strengeren Düngeregeln die Gülle-Entsorgung ab, vor allem den Niederlanden.“

Auch Bioenergieproduktion sei nur dann sinnvoll, wenn sie den Regeln der Nachhaltigkeit folge. „Damit auf unseren Äckern viel verwertbare Biomasse entsteht, werden die Energiemonokulturen aber möglichst kräftig gedüngt. Aus der Biogasanlage fallen stickstoffhaltige Gärreste an. Wohin mit diesem Abfall? Er landet wieder auf dem Acker und verschärft das Nitratproblem“, kritisiert der DUH.
rd/bem

 

 

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