Brancheninfo aktuell

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DSD-Belegschaft: Erleichterung und Lähmung / Kleine Presseübersicht/ ALBA zum Deal/ Kritik vom bvse 

Wie der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Bernd Weede auf EM-Anfrage mitteilte, ist die Übernahme durch REMONDIS am Donnerstag, 27. September, der Belegschaft bekanntgegeben worden. Dabei habe sich ein Stück weit eine gewisse Erleichterung gezeigt, weil nach einer zweijährigen Verhandlungsphase nunmehr die Zeit der Ungewissheit und des „Kaffeesatzlesens“ vorbei sei und im Blick auf die neuen Eigentumsverhältnisse Gewissheit bestehe. Andererseits drohe jetzt eine gewisse Lähmung, weil abgewartet werden müsse, wie sich die tatsächliche Lage nach dem Closing darstellt. Als positiv wird aufgenommen, dass es zu einer 100-prozentigen Übernahme von DSD kommt und nicht -wie vereinzelt angenommen- eine „Rosenpickerei“, neudeutsch Asset Deal, vollzogen wurde.

Der Betriebsrat könne derzeit noch keine klare Position beziehen, weil den Worten von Bernd Weede zufolge vieles noch sehr schwammig wäre.

REMONDIS hat inzwischen durch Pressereferentin Anna Ephan mitgeteilt, dass bis zum Closing mindestens sechs Monate ins Land gehen würden. Insider rechnen mit einem dreiviertel Jahr.

khg

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 „Kommt jetzt das Müll-Monopol?“, fragt die „WELT“ im Blick auf den Verkauf von DSD an den REMONDIS-Konzern.  Wenn sich das „hierzulande größte Müll-Entsorger und das größte Recycling-Unternehmen zusammenschließen, bedeute dies eine Neuordnung des Recyclingmarktes in Deutschland. „Und in diesem Markt hat Remondis mit seiner Fahrzeugflotte eine starke Stellung. Durch die Übernahme könnte sich Remondis in Zukunft also lukrative Aufträge selbst zuschustern. Noch dazu könnte das Familienunternehmen Einblick in die Kalkulation der Wettbewerber erhalten, wenn die sich um einen Auftrag beim DSD bewerben“, so WELT-Autor Carsten Dierig weiter.

Remondis und DSD versuchten, Sorgen zu zerstreuen, und verwiesen auf ähnliche Strukturen auch bei anderen Unternehmen, heißt es weiter in dem Beitrag. „Und tatsächlich gehört zum Beispiel dem Berliner Entsorger Alba das Duale System Interseroh. Dazu ist Suez Deutschland Inhaber von BellandVision, dem derzeit zweitgrößten Systembetreiber in Deutschland. Und doch spielen Remondis und DSD Experten zufolge in einer anderen Liga. Der Grüne Punkt etwa ist mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent schätzungsweise doppelt so groß wie der erste Verfolger. Und auch Remondis ist mit 7,3 Milliarden Euro Umsatz ein Vielfaches größer als die Konkurrenz.“

„Werden die Behörden das Monopol absegnen?“. Diese Frage stellt der „SPIEGEL“ aktuell in den medialen Raum. In einem früheren Beitrag sprach SPIEGEL-Autor Gerald Traufetter von einer noch nie da gewesenen Machtballung in der Entsorgungswirtschaft. „Die Verhältnisse würden komplett neu gemischt, und zwar in einer Weise, wie es dem Markt nicht guttut“, zitierte der Journalist den Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Patrick Hasenkamp.

Die „WirtschaftsWoche“ und das „Handelsblatt“ weisen in nahezu identischen Beitrgen auf das bekannte Faktum hin, dass DSD den Abfall nicht selbst einsammele, sondern die Aufträge dafür an Müllabfuhr-Firmen und an Sortieranlagen vergebe. „Wenn DSD künftig also Remondis-Müllabfuhren beauftragt, bliebe der Auftrag gewissermaßen im eigenen Haus. Ein Remondis-Sprecher verwies aber darauf, dass man bei der Abholung eigene Tochterfirmen nicht bevorzugen könne, sondern stets das beste Angebot annehmen müsse“, so die von der Handelsblatt Media Group herausgegebenen Zeitschriften.

Unter der Überschrift „Hochzeit der Giganten ist offiziell“ hat auch die Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK) auf die Übernahme reagiert.

Diese kleine Presseübersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

khg

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Auf EM-Anfrage an unterschiedliche Entsorgungsunternehmen hat Markus Müller-Drexel, Geschäftsführer INTERSEROH Dienstleistungs GmbH, reagiert. Zum Verkauf von DSD an REMONDIS erklärt er: „Das ist eine interessante Entwicklung in einer Zeit, in der sich der Markt der dualen Systeme neu ordnet. Wir werden beobachten, wie Handel und Hersteller auf die Veränderung reagieren. Unser Fokus liegt auf dem Inkrafttreten des Verpackungsgesetzes im kommenden Jahr. Wir konzentrieren uns zum einen auf jene Marktteilnehmer, die bisher ihren Verpflichtungen zur Lizenzierung nicht ausreichend nachkommen sowie zum anderen auf die Modernisierung unserer Anlagen. Unser Ziel ist es, dass unsere Anlagen ab 2019 bereits die höheren Anforderungen ab 2022 erfüllen, um unseren Kunden eine langfristig sichere Entsorgung und ein effizientes Recycling zu gewährleisten, so wie sie es seit jeher von uns gewohnt sind. Auf Basis unseres über Jahrzehnte entwickelten Know-hows werden wir diesen Weg zum Vorteil unserer Kunden weiter fortsetzen.“

rd/khg

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„Unsere Meinung hat sich nicht geändert. Die Übernahme der DSD GmbH durch Remondis wird zu weiteren Wettbewerbseinschränkungen in der Recycling- und Entsorgungsbranche führen“.  Mit diesen Worten warnt der bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung „eindringlich vor dieser Hochzeit der Giganten“. 

Während Remondis mit einem Jahresumsatz von ca. 7,3 Milliarden Euro der mit großem Abstand führende Entsorgungskonzern in Deutschland sei, handele es sich bei der die DSD GmbH mit ihrem Marktanteil von rund 35 Prozent an der Verpackungsentsorgung aus privaten Haushalten um das mit Abstand größte duale System, so der bvse. Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock erläutert, dass sich viele mittelständische Entsorger ich in der Vergangenheit an Ausschreibungen des Dualen Systems Deutschlands im Sammel-, aber auch Sortierbereich beteiligt haben. Wen jetzt der „Hauptkonkurrent und Branchenriese Remondis mit der DSD-Übernahme gleichzeitig auch die Rolle des Auftraggebers übernehme, könne dies „nur zu einer weiteren Marktkonzentration führen“. Die Zeche werde „früher oder später der Verbraucher zahlen”.

Wie bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock erläutert, gehe der Bundesverband n davon aus, dass das Bundeskartellamt das Verfahren an sich ziehen wird. Er fordert   die Kartellbehörden auf, „ganz genau hinzuschauen und diese Übernahme nicht durchzuwinken”.

Wie es in der bvse-Pressemitteilung weiter heißt, trügen flächendeckende Rückführungssysteme von sich aus im Kern  eine zwingende Tendenz zur Oligopol- oder gar zur Monopolbildung. Dem müsse nach Meinung des Verbandes durch dezentrale Vergabestrukturen entgegengewirkt werden, „wenn man eine regional verankerte und mittelständisch geprägte Wirtschaftsstruktur erhalten will“.

Der bvse fordert daher, „dass die Ausschreibungen für Sammlung und Sortierung von Verpackungsabfällen aus privaten Haushalten nicht mehr von den dualen Systemen, sondern von neutraler Seite, etwa von der neugegründeten Zentralen Stelle, vorgenommen werden.  Die Politik dürfe „diese Entwicklung nicht einfach laufen lassen, sonst blutet der Mittelstand aus”, so bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock.

rd/nic

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